Unstimmigkeiten über E-Tickets

Der Deutsche ReiseVerband (DRV) fordert die Vereinigung der internationalen Linienfluggesellschaften IATA sowie direkt alle Fluggesellschaften auf, für eine praktikable Lösung für das Ausstellen von Papier-Flugtickets nach dem 1. Juni 2008 zu sorgen. Der internationale Dachverband der Airlines will zum 31. Mai 2008 die Papierflugscheine abschaffen. Ab dann sollen ausschließlich elektronische Tickets ausgestellt werden. „Selbst die IATA geht aber davon aus, dass rund 3,5 Prozent aller Tickets weltweit nach diesem Stichtag weiter auf Papier ausgestellt werden“, zeigt der für Flugthemen im DRV zuständige Vorstand Otto Schweisgut den Widerspruch auf. Aktuell beträgt, so IATA, der Anteil der in Deutschland elektronisch ausgestellten Tickets gerade einmal rund 83 Prozent.

Auf Anfrage des DRV hat die IATA nun erklärt, dass sie vom 1. Juni 2008 an nicht mehr zuständig sein wird für die Papierticket-Ausstellungen von IATA-Fluggesellschaften, die noch nicht auf elektronische Tickets umgestellt haben. Die Verbandsfluggesellschaften hätten der IATA kein neues Mandat dazu erteilt. „Zurzeit gibt es noch viele offene Punkte, die bis zum Ablauf der Frist zu klären sind. So gibt es momentan noch keine Antwort auf die Frage, wie die Abwicklung seitens der Reisebüros, Veranstalter und Consolidator ab dem 1. Juni 2008 mit den Fluggesellschaften aussehen wird, die nicht auf Papiertickets umstellen können“, bemängelt Hartmut Heering, Vorsitzender des DRV-Expertenkreis Consolidator. Die IATA habe zwar für alle ungeklärten Punkte eine Erledigung bis Ende Mai 2008 in Aussicht gestellt, die Experten der DRV-Gremien haben allerdings derzeit noch Zweifel an der rechtzeitigen Umsetzung der angekündigten Lösungen.

Die IATA hatte in diesem Sommer eingeräumt, dass es in Zukunft einige Fluggesellschaften geben werde, die weiterhin die bisherigen Papierflugscheine ausstellen werden und nicht bereit sind, auf E-Tickets umzustellen. Zudem verfügen nicht alle Fluggesellschaften weltweit über die notwendige technische Ausstattung zum Ausstellen elektronischer Tickets. Viele Kunden bestehen darüber hinaus auf Papier-Tickets, ein Service, den die IATA ihren Mitgliedern strikt untersagt. Auf allen Strecken, auf denen elektronische Tickets möglich sind, dürfen laut IATA keine Papier-Tickets mehr ausgestellt werden.

„Die IATA ist gefordert, eine praktikable Lösung anzubieten und auf die Erfordernisse und Bedürfnisse des Marktes einzugehen. Die endgültige Abschaffung der Papiertickets müsste notfalls nochmals verschoben werden“, fordert DRV-Vorstand Schweisgut. „Simplifying the Business“ nennt die IATA ihren reduzierten Service mit der Optimierung von eigenen internen Prozessen. „Das Vorhaben ist einseitig und geht auf Kosten des Vertriebs. Es führt zu höherem Aufwand bei den Reisebüros, Consolidator und Reiseveranstaltern“, so der Vorsitzende des DRV-Expertenkreis Consolidator Hartmut Heering. Die IATA sei gefordert den Service der Papier-Ticketausstellung weiterhin anzubieten oder aber die Jahresbeiträge für die Reisebüros reduzieren.

Hinzu kommen ungelöste technische Probleme zwischen Fluggesellschaften und den Reservierungssystemen (GDS). Zum Beispiel können bei einigen US-Fluggesellschaften keine elektronischen Tickets für Kleinkinder ausgestellt werden. Zum Teil können Gruppenreisen mit mehr als zehn Passagieren nicht als elektronische Tickets bearbeitet werden. Daneben lassen sich Kontingente als elektronische Tickets nur für die Fluggesellschaften ausstellen, die an den Kontingentverwaltungs-Systemen der GDS teilnehmen – wie etwa an Negotiated Space bei Amadeus.

Der Branchenverband der Reisebüros und Reiseveranstalter in Deutschland, DRV, hatte in Arbeitsgruppen mit der IATA immer wieder vehement auf die Lösung der vielen noch offenen Punkte bei der Umsetzung gedrängt. Eine in diesem Sommer von der IATA angekündigte Fristverschiebung für die endgültige Umstellung vom ursprünglich geplanten Termin 31. Dezember 2007 um sechs Monate war daher vom DRV begrüßt worden. „Nun wird immer deutlicher, dass auch dieses Zeitfenster nicht ausreicht“, konstatiert DRV-Vorstand Schweisgut.

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